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Howto: Bewerben

Aus gegebenem Anlass:Was ist ein guter Lebenslauf und wie benimmt man sich in einem Vorstellungsgespräch und was denkt eigentlich der Personalmensch da gegenüber?

Einen guter Lebenslauf erteilt in sachlicher, knapper – aber genauer – Weise darüber Auskunft, wie die fachliche Laufbahn eines Menschen bisher verlaufen ist und berücksichtigt in Ma??en persönliche Entwicklungen und Lebensabschnitte. Im Vorstellungsgespräch wird der Mensch als solcher abgeklopft, wie seine sozialen Fähigkeiten sind und “wie er so rüberkommt”. Angaben aus dem Lebenslauf werden verifiziert und allgemein wird der Bewerber beurteilt, ob er ins Team passt und der Richtige für den ausgeschriebenen Job ist.

Ich lege hier meine Kriterien offen. Manche sind deckungsgleich mit jedem Personalmenschen, manche sind meine persönlichen Ansprüche an einen Bewerber. Das hat aber jeder Personalmensch. Das ist ungerecht und meistens nicht offen erkennbar und wird sich nicht ändern. ;)

  • Wer über 30 ist, kann seine Grundschulzeit getrost weglassen und beginnt seinen Lebenslauf mit dem Datum des Schulabschlusses. Grundschulzeiten und überhaupt Schulzeiten sind dann wichtig, wenn jemanda) sehr jung istb) etwas Besonderes in der Schule gemacht hat – 3 Jahre Informatik-AG organisiert und geleitet oder als Schülervertreter die erste koeduktive Schule im Vatikan organisiert hat.c) ausserordentlich begabt ist und deswegen 3 Klassen übersprungen hatd) der Lebenslauf Sprünge aufweist, die interessant sind: die ersten 2 Jahre Grundschule in Frankreich, die nächsten 2 Jahre in Hong Kong und dann 4 Jahre in Neuseeland, zum Beispiel.Für uns Normalsterbliche: 1988 – Abitur in Hannover.Wer eine sehr gute Abinote hat, kann sie dazu schreiben, wenn er unter 30 ist. Ab Mitte 30 sieht das selbst bei 1.2 etwas kindisch aus. Wer den Lateinpreis von 1987 in Bayern gewonnen hat, muss abwägen, wie wichtig das ist – bei einer sehr leistungsorientierten Bewerbung ist das gut, bei einer normalen Entwickler-Bewerbung nicht so wichtig.
  • Jüngere Leute direkt von der Uni haben in der Regel keinen “richtigen Lebenslauf” aufzuweisen, gelten als Berufseinsteiger und haben deswegen Schwierigkeiten, sich zu präsentieren.Im Lebenslauf hat nichts zu suchen:Teilnahme an Seminaren. Ich bringe den nächsten Bewerber um, der sagt, er habe fundierte Java-Kenntnisse, weil er 1 Semester Java gemacht hat. 1 Semester (ca. 12 Wochen) XY bedeutet: 1-2 Mal die Woche für 90 Minuten plus Hausaufgaben XY gemacht haben. Gebt euch da bitte keiner Illusion hin.Sehr wohl erwähnenswert hingegen ist, wenn jemand während seiner Uni-Zeit für die Apache-XML-Sachen in Java Klassen als Open Source Projekt beigetragen hat oder 3 Monate in den Semesterferien bei Firma X einen Job gemacht hat.Ein Lebenslauf, in dessen Unilaufbahn nichts weiter erkennbar ist, als Abi, 16 Semester studiert, Abschluss sieht sehr schlecht aus. Ich frage sofort nach, wie a) derjenige bitte seine Zeit verbracht hat und ob er das Studium nicht selbst finanzieren musste, b) wieso er solange gebraucht hat, wenn er nicht arbeiten war und c) sehe ich überhaupt extrem ungern, wenn jemand nichts gemacht hat und sich für nichts engagiert hat.Ich spreche hier nicht als Susanne, die Geek X gern mag, sondern als Personalarsch, der auf deinen Lebenslauf guckt und mäkelt. Also überlegt bitte vorher, was ihr auf solche Fragen antwortet – und keine faulen Ausreden. Wer sich mit Uni Zeit lassen wollte, Eltern hat, die das bezahlt haben und halt lieber viele Reisen gemacht hat und auf Parties gegangen ist, muss eben dazu stehen, dass er das so getan hat, aber damit rechnen, dass Personaler nicht positiv darauf reagieren.Eine gute Antwort hingegen ist: Ich habe solange für’s Studium gebraucht, weil ich hier, hier und hier gearbeitet habe, 2 Jahre Tutor war, Open Source Projekt X und Y gehackt habe – den Sourcecode sehen Sie bitte hier und hier ein – und dann habe ich ausserdem 6 Monate in San Francisco mit am Sowieso-Internetprojekt geschraubt. Findet sofort meinen Beifall.Geeks, die frisch von der Uni kommen, vergessen auf der anderen Seite oft, dass sie schon total viele Projekte gemacht haben – mit 16 in Papas Laden eine Buchhaltungssoftware geschrieben ziehe ich fast jedem zweiten Junggeek aus der Nase. “Wieso steht das nicht in deinem Lebenslauf?” “Das war doch kein Job!” – Ne. Ein Job war es nicht – aber 2 Jahre Erfahrung, die bereits frühzeitig begonnen wurde. Also: Projekte mit aufnehmen – aber bitte nicht jedes Pipi Shell-Script.
  • Nicht jedes Projekt sieht in einem Lebenslauf gut aus. Gut sind Projekte, die technische oder soziale Qualifikationen verdeutlichen. Politische Projekte sind ein Minenfeld.Ich habe die in meinem Lebenslauf, weil dies normal für Politikwissenschaftler ist – nicht aber für Geeks und Informatiker.Das heisst: Vorsichtig abwägen, ob man sich auf den CCC bezieht oder nicht. Im Zweifel immer politische oder religiöse private Projekte weglassen.Wer natürlich die katholische Kirche als Auftraggeber hatte oder so wahnsinnig war, ein Projekt kommerzieller Art für .. Opus Dei oder die NPD zu machen, muss dies erwähnen, wenn sonst nicht eine riesige Lücke im Lebenslauf klafft.Aber knallhart: Ich stelle keinen kurzhaarigen Entwickler ein, der als Webseiten-Projekt zur Veranschaulichung ein ziemlich einschlägiges Projekt zeigt.Es gibt aber neutrale, sehr gut aussehende Projekte – “Ich habe das Internetcafe im Obdachlosenzentrum XY ehrenamtlich aufgebaut” sieht sehr gut aus. Ich sehe überhaupt gern, wenn auch ITler nicht bloss ordentlich Kohle absahnen wollen und ein nettes Gehalt, sondern auch etwas Anständiges getan haben.
  • ??ber berufliche und technische Projekte ist detailliert, sachlich und genau Auskunft zu erteilen. Ein Lebenslauf eines Geeks enthält oftmals sowas:2000 – 2003: IT-Infrastruktur Firma X.Aha. Was zur Hölle soll das sein? In den Projekt-Abschnitt gehört IMMER:Dauer, Position, Technologien, Grössenordnung. Die Grössenordnung ist besonders wichtig, sonst kommt sowas dabei raus:2000 – 2002: Mailadmin bei Firma X (exim, postfix). So.Firma X kann jetzt das nationale Siemens-Gate für 10.000 Mitarbeiter sein oder 3 Hansel in Webklitsche XY.Manche Leute schreiben auch nur “Mailadmin (qmail)”. Jo. Ich bin auf meinem Notebook auch Mailadmin für qmail, aber ihr wollt mich definitiv nicht einstellen dafür.Also:2000 – 2002: Mailadministrator bei Firma X. 10.000 Mailuser mit postfix, exim auf HP-UX, Linux und NetBSD; ldap-Integration, Spamfiltering mit Bla, Bla und Blubb. IMAP und POP3 mit imapd und superpop mit GigiSQL-Backend.Für Entwickler meinetwegen:2000 – 2003: Senior Developer bei Firma X. GUI-Programmierung Userinterface für embedded Systeme und digitale Settopboxen, linuxbasiert mit C, GTK, Glib mit Pango und Cairo. Neuentwicklung des Superduper-Toolkits. (Link). IDE: Eclipse. Versioning: CVS, Subversion und Darcs. (Ich konstruier’ jetzt, Ja)

    Ich will nämlich von einem Entwickler nicht nur wissen, ob er C kann, sondern auch, ob er mit sowas wie bindend eingeführte IDEs in einer Firma klarkommt und mit Versioningsystemen – also ob er das Drumherum solider Software-Entwicklung schon mal gesehen hat und an die entsprechenden Verpflichtungen gewöhnt ist.

    Wer mit bestimmten Verfahrungsweisen wie eXtreme programming oder V-Modell und dergleichen vertraut ist: Dazu schreiben!

  • Man darf sich gut darstellen, aber nicht posen. Grundsätzlich ist Qualität und Erfahrung durch Detailreichtum der Projekte und Tätigkeiten nachzuweisen, aber nicht durch Beschönigung und Wischiwaschi in der Darstellung.Wer im Lebenslauf nur “Mailadmin (qmail)” drin stehen hat, wird von mir DEFINITIV im Vorstellungsgespräch auseinander genommen, was genau er da gemacht hat, für wieviele Leute, was für ein Szenario und wie lange und auf welchen Systemen. Und es ist DEFINITIV peinlicher, dann zu sehen, dass der Personalmensch enttäuscht ist, weil das voll laupipi ist, was du da gemacht hast, als gleich in den Lebenslauf zu schreiben, dass man Mailadmin für eine 5-Leute Anwaltskanzlei war.Bitte denkt auch daran, dass JEDER seinen Lebenslauf aufpoliert – Wenn ich bei einem Berliner Geek als Programmiersprache “Haskell” sehe, ist mir klar, dass es sich um das übliche Unizeug an der FU handelt und nicht etwa “Ich bin der Core-Developer von Darcs” (was ja in der Projekteliste stünde. ;) . Bei sehr jungen Geeks bis Mitte 20 ist das vollkommen ok, sonst steht da nur “C” und sonst nix. Rechnet damit, dass gerade in kleineren Firmen der Mensch, der mit euch spricht, einer der Projektmanager oder Senior Developer ist und da kann Angeberei ganz schädlich sein.Sitzt ihr einem klassischen Personalchef gegenüber (Jurist oder Politikwissenschaftlerin ;) – NICHT das Know-How runtertakten.Viele Geeks, die mich sehen, gehen von folgender Prämisse aus: a) ich bin eine Frau, also bin ich die Personaltante, also habe ich keine Ahnung, b) Personaler haben nie von irgendwas Ahnung und c) das wird jetzt zu technisch was ich sage.Ihr werdet als TECHNIKER eingestellt – also bitte kurz, sachlich und genau über TECHNIK Auskunft erteilen, aber keinen Protokoll-Kürzel-Flood absondern.Versucht nicht, euch eurem ANGENOMMENEN Kenntnisstand eures Gegenübers anzupassen – den kennt ihr nämlich nicht.Junggeeks verzeihe ich das aber meistens, weil ich genau sehe, dass sie ganz doll versuchen, alles richtig zu machen. Einem Geek, der Mitte 30 ist, verzeihe ich das nicht mehr.Für die meisten Geeks ist das eine grosse Erleichterung, wenn sie sich auf die Sachebene zurück ziehen dürfen. Aber nichts Anderes ist im Vorstellungsgespräch gefragt – eure sachlichen Fähigkeiten mit dem persönlichen Eindruck als Mensch.Und ganz vorsichtig mit der Prämisse: Frau = keine Ahnung. Ein Personalmensch hat in vielen Firmen eine exzellent bezahlte Schlüsselposition inne, weil gutes Personal wichtig ist. Davon auszugehen, dass die Tante da ‘ne süsse Schnecke ist, die auf dem Level einer Sekretärin anzusiedeln ist – grosser Irrtum, der euch sofort den Job kosten kann.Schäkern mit einem weiblichen Gegenüber: NO NO NO.

    Ein Bewerber hat am Telefon gefragt, ob es keinen höheren Mann gäbe, mit dem er sprechen könne – da über mir grundsätzlich nur noch der CEO und meistens der CTO steht, war das natürlich stilistisch ein Griff ins Klo.

  • Grundsätzlich sind ein paar Formalien einzuhalten: Die Rechtschreibung eines Lebenslaufs oder einer Bewerbung zum Beispiel. Formulierungen wie “Ich bin der richtige Mann für diesen Job” lösen bei mir akute Anfälle von Widerwillen aus. Ebenfalls Ausschlag kriege ich bei sowas wie “Ich arbeite problemlösungsorientiert.” oder überhaupt Anglizismen wie “solutions” und dergleichen. Egal, wie scheisse geschwafelt die Stellenanzeige war – IHR befleissigt euch bitte verständlicher Sachlichkeit.Bitte einfach schreiben:Sehr geehrte Frau Schmidt,
    ich bewerbe mich auf Ihre Stellenanzeige in bln.markt.arbeit als Systemadministrator.Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können, arbeite ich seit 10 Jahren mit Linux und verfüge über entsprechende Erfahrung in der Netzwerk- und Systemadministration von Debian, Suse, Slackware und Hottehue für bis zu 5000 User. Ich bin mit den Webservern Apache und Roxen bestens vertraut und kenne die Mailserver qmail als auch exim sehr gut. (Knapp sagen, dass man das kann, was in der Stellenanzeige steht.)Ich verfüge nicht über die in der Stellenanzeigen als “erwünscht” markierten Kenntnisse in Knoppix, habe dafür aber zwei Router-Distributionen entwickelt, die Sie unter folgender URL (Link) und (Link) einsehen können, um sich selbst ein Bild zu machen. (Sagen, was man nicht kann und eine Alternative bieten)Ich beherrsche mehrere Programmiersprachen für Automatisierungsprozesse und administrative Aufgaben wie Bash, Csh, Perl, C und Python und verfüge ausserdem über mehr als 5 Jahre Erfahrung mit Cisco- und Tralala-Routern und mehr als 3 Jahre Erfahrung in der Administration von Kackux, Lulix und Gagix. (Ergänzende Fähigkeiten verdeutlichen und somit das Profil abrunden)Ich veröffentliche ausserdem regelmässig im Linux Magazin eine Kolumne über Sicherheitsprobleme unter Linux. (Zusätzliche Kenntnisse, die vor allen Dingen kontrollierbar sind – nice. Auch Nobelpreise, Wettbewerbssiege und herausragende Open Source-Projekte darf und soll man hier erwähnen – sachlich, bitte. Für g_mitch() und g_sven() massgeschneidert: “Ich bin seit 7 Jahren der Lead Developer und Maintainer der Bildbearbeitungsssoftware The Gimp.” Unbekannte Projekte nicht erwähnen, sieht peinlich aus.)Weitere Details entnehmen Sie bitte meinem ausführlichen Lebenslauf (Attachment als PDF, URL hier: …) (IMMER das gewünschte Format schicken. Wer mir noch einmal DOC schickt, obwohl ich PDF in die Anzeige schreibe, soll sterben gehen.)

    Ich bin ab sofort verfügbar. Meine Gehaltsvorstellung beträgt 36.000 Euro brutto. (Da will sich jeder drum drücken. Vergesst es. Die 36.000 sind das typische “Ich orientiere mich an einem WiMi-Gehalt nach der Uni von pi*Daumen 3000 Euro brutto im Monat.” Das ist in Berlin für Berufseinsteiger im Alter von 27 mit etwas Erfahrung während der Uni gängig – gerade in kleinen Firmen kann es aber auch niedriger sein. Ungefähre Liga (je nach Firma) für Entwickler: Seniors mit mehreren Jahren Erfahrung dürfen auf knapp unter 4000 hochgehen, richtig Gute auf 4000 – 4500. Ab dann beginnt die Liga der erfahrenen Architekten und Projektmanager. Wer mehr verdient: schweigen und für mich stellvertretend verhandeln. Wer weniger verdient: Verhandeln lernen oder älter als 20 werden. Für Freelancer gelten natürlich andere Regeln.)

    Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch.

    Mit freundlichen Grüssen

    Anhänge:
    Lebenslauf
    Zeugnisse
    Artikelverzeichnis (Ich hab’ sowas natürlich – optional, wenn man mehr als 8 oder 10 Artikel hat.)

    So. MEHR MUSS DA NICHT REIN. Nicht sülzen, nicht zu blumig werden, nicht zu altmodisch. Kommt auf den Punkt mit ein oder zwei der üblichen Bewerbungsschnörkel, die nur zeigen sollen, dass man das jetzt brav macht.

    Keine Witze, keine Anpreisungen. Vergesst den tollen Rat der “Orginalität” – das ist bei Entwicklern echt nicht das Wichtigste. Ich will eine Bewerbung schnell scannen können, ignoriere Zeugnisse und dergleichen sowieso und gucke mir die Projekteliste sehr genau an. Ich vergleiche dann die Daten so ein bisschen auf innere Logik (Ah, jung Abi, schnell gearbeitet, kurz studiert, Projekt X, Mist, kann nur Java – Bild? Hm. Doch, mal checken. Einladen.)

  • Ich mache jetzt keine Witze: Geduscht haben am Tag eines Vorstellungsgesprächs, nüchtern sein, normal-ordentlich angezogen, aber nicht overdressed oder in den Klamotten gepennt haben rult sehr, wenn man einen Job wirklich haben will. Ich habe schon Bewerber mit Fahne, Mundgeruch, nach Schweiss oder Rauch stinkend erlebt. Ich hatte auch schon Bewerber mit dreckigen Fingernägeln und gelben Fingern. Sehr lecker. Muss echt nicht sein.Und Nein – hier tritt nicht die “aber ich bin ein exzentrischer Geek”-Regel in Kraft. Andere Leute müssen nämlich neben dem sitzen und arbeiten.Vorsichtig mit Rasierwasser oder Parfum. Die meisten Geeks duschen brav vorher, ziehen sich ordentlich an (und man sieht sofort, dass sie das nicht mögen und nur für’s Vorstellungsgespräch getan haben ;) und benutzen dann Rasierwasser. WEGLASSEN. Das riecht für’s Gegenüber IMMER zu stark – und das ist unangenehm. Gleiches gilt für Frauen und Parfum oder Haarspray.Dresscodes sind ziemlich haarig. Insgesamt gilt: Je exzentrischer der Job als solcher, um so mehr Freiraum habt ihr. In Berlin ist der Dresscode lockerer als anderswo. Grosse Unternehmen mit klassischer Personalabteilung sind formeller als eine kleine 10 Mann-Bude, die genauso aufgeregt ist wie ihr.Für einen jungen Entwickler mit 26, der sich bei einer 10-Leute Firma bewirbt, ist kein Anzug mit Weste und Krawatte angebracht, sondern höchstens Hose, Hemd und Sakko erlaubt. (Es sei denn, es ist der exklusivste Diamantenhändler Europas mit 400 Jahren Tradition mit Intarsienschreibtisch-Büro. Selten in Berlin.) Wer sich als Chef-Projektmanager mit Ende 30 bei einer 100-Leute Firma bewirbt, unterliegt da anderen Regeln.
  • Keine Ausbildung und kein Studium haben: TROTZDEM BEWERBEN. Denkt dran, dass Stellenanzeigen IMMER einen gewissen Spielraum haben.Nehmt ernst, wenn drin steht, dass C-Kenntnisse absolut unabdingbar sind – habt ihr aber Assembler und C++ Kenntnisse, aber kein C und kennt das Thema als solches extrem gut: Bewerben.Steht drin, dass ein Abschluss in Informatik erwünscht ist oder Bedingung und ihr dummerweise “nur” 12 Jahre Berufserfahrung habt: Bewerben.Habt ihr studiert, aber nicht abgeschlossen: Bewerben, kurz drauf hinweisen, dass man halt lieber arbeiten gegangen ist. Das ist nach der Phase der New Economy EXTREM gängig bei Bewerbern und für keinen halbwegs normalen Personalmenschen eine ??berraschung! Ihr habt nun mal die Biographie, die ihr habt, da kann man nichts mehr dran tricksen – also lasst es einfach und steht dazu. Firmen sind weniger streng als die meisten Leute glauben und
    VERGESST, was bei Spiegel Online steht. Normale Menschen bewerben sich mit normalen Lebensläufen bei anderen normalen Menschen.Nur krass konkurrierende Jobs erfordern mehr Raffinesse und fancy Verschönerungen oder extrem viel mehr Profil – wer sich als Journalist bewirbt, MUSS einfach ein sehr umfangreiches Profil mitbringen, weil die Konkurrenz extrem hoch ist. Ohne Referenzen: Vergiss es. ??hnliches dürfte (das weiss ich aber nicht genau) für Grafiker gelten, ich nehme an, dass man als Einsteiger dann persönliche Kontakte braucht oder einfach “der richtige Typ” sein muss.
  • Qualität von Ausbildungen: Ich persönlich halte NICHTS von den neuen Ausbildungsgängen als Tralala-Informatiker. Ich halte solche Bewerber für Leute, die es anspruchsvoller in der Uni nicht geschafft oder schlicht verpeilt haben. Ich ziehe dann in jedem Fall den Geek, der gleich nach der Schule losgearbeitet hat, vor.Ich stehe Fachhochschulabschlüssen EXTREM kritisch gegenüber und habe bisher keine guten Erfahrungen mit entsprechenden Bewerbern bis auf ganz wenige Ausnahmen gemacht. Ausnahme sind Abschlüsse, die man überhaupt nur an der FH machen KANN (bestimmte E-Techniksachen, Nachrichtentechnik etc. ppp).Aber ganz klar: Informatiker (Dipl., TU Berlin) ist für mich praktisch immer im Lebenslauf interessanter als Informatiker (FH). Das hat folgenden Grund: Wer die verschulte Vorgehensweise der FH braucht, ist in der Regel nicht der Bewerber, den ich will. Ich ziehe dann das pfiffige Kerlchen ein wenig “neben der Spur” vor. Da hilft auch protestieren nix, dass das ungerecht ist – ich will wie jeder Personalmensch den Bewerber, den ich will. Umgekehrt bedeutet dies, dass ich aufgeschlossener den weniger formellen Bewerbern gegenüberstehe und eben keinen beamtigen Lebensweg erwarte.Die neumodischen Bindestrich-Studienfächer finden keinerlei Gnade vor meinen Augen. Wer Medien-Rechts-Wirtschafts-Informatik “studiert” hat, muss schon echt toll rüberkommen. Diese Fächer suggerieren, dass Bewerber einen soliden ??berblick über ein Thema bekommen haben, sind aber nichts anderes als “5 Themen angerissen” statt richtig in die Tiefe zu gehen. Ich ziehe klassische eine-Sache-Fächer vor. Philosophie statt Medienkultur-Geschichte, Mathematik statt angewandte Grafik-Wirtschaftsmathematik und Informatik statt bildgebende Tralalatik.
  • Quereinsteiger: Die IT ist nachwievor ziemlich durchlässig. Allerdings gilt deutlich zu machen, dass man aus gutem Grund ein anderes Fach studiert hat als Informatik oder Mathematik.Natürlich stösst man bei mir hier auf offenere Ohren als bei anderen Personalmenschen.In der Regel ist aber eine Antwort wie “Na, und dann ging das 1993 mit dem Internet in Berlin los und ich fand’ das so spannend, dass ich arbeiten gegangen bin. Ein Job ergab den nächsten und jetzt mache ich das 10 Jahre. Ich habe dann 1996 mein Sanskrit-Studium aber doch abgeschlossen, um das erledigt zu haben und es hat auch Spass gemacht. Ausserdem kann ich fliessend Hindi lesen deswegen.” vollkommen in Ordnung und vor allen Dingen realistisch und ehrlich.Ich hatte schon Maurer, die supernette Admins für eine kleine bis mittlere Firma waren. Hätte ich sofort genommen, wenn es für den Job gepasst hätte.Umschüler: Sorry. Praktisch nie. Wenn der nicht der richtige Typ ist – wovon ich bisher einen Mann getroffen habe: Nein. Ich erwarte ganz arschlochmässig und eiskalt, dass die Bewerber, die ich will, an ihrer Qualifikation selbstständig arbeiten und nicht in einen lauen Arbeitsamt-Kurs für sowas traben, deren Qualität meistens extrem fragwürdig ist. Beschimpfungen bitte in den Kommentar. ;)
  • Bewerbungen von Frauen:Ich frage meine Auftraggeber oder CEOs immer direkt, ob sie gern aktiv mehr Frauen in der IT unterstützen wollen, weil ich wesentlich mehr Zugang zu Technikerinnen habe. Die Antwort ist IMMER ein ehrlich gemeintes, begeistertes JA.ALSO BEWERBT EUCH ENDLICH, VERDAMMT NOCHMAL und arbeitet an eurer Qualifikation.Selbstverständlich stelle ich keine Frau ein, wenn sie einfach nicht qualifiziert ist für den Job. Ich lese aber Bewerbungen von Frauen besonders gründlich. Frauen schreiben defensive Bewerbungen und lassen die Hälfte aller Kenntnisse einfach weg. BITTE NICHT. “Ach, das war doch bloss eine Freizeitbeschäftigung” – Ihr schadet euch damit nur selbst.Viele Frauen, die sich in der IT bewerben, sind extrem still und schüchtern – arbeitet daran, zieht euch auf die Sachebene zurück und denkt immer dran, dass nicht IHR selbst entscheidet, ob die Qualifikation reicht, sondern ICH und deswegen muss man mir alles erzählen, was man kann und nicht vorfiltern.Bekennt euch vor allen Dingen zu euren Interessen und sitzt nicht dankbar wie ein Dienstmädchen vom Lande 1917 in Berlin vor einem Charlottenburger Kaufmann auf der Stuhlkante.Frauen nach einer Kinderpause:
    Das ist ein schwer; insbesondere in der IT. Wer zu lange weggeblieben ist, wird es sehr schwer haben, mich davon zu überzeugen, dass die Kenntnisse passend sind. Also bei Babypausen wirklich überlegen, ob das länger als 1 Jahr oder die höchstens 3 Jahre sein muss. Eigentlich sind die 3 Jahre viel zu viel in der IT. Und ja, ich weiss, dass das total kacke ist, aber ich nehme meistens Firmeninteressen wahr, egal, was ich persönlich davon halte. Ich ziehe Bewerbungen von Müttern bevorzugt in Betracht, wenn die Qualifikation stimmt, damit die nicht von vorn herein unter den Tisch fallen, stehe aber langen beruflichen Auszeiten kritisch gegenüber. Ich bin eher bereit, einer Mutter mehr Zeitflexibilität zu organisieren als eine lange berufliche Pause zu akzeptieren.Und egal, was in Brigitte, Petra und dergleichen steht: Kinder erziehen ist keine Sache, die man als organisatorische Erfahrung für den Job verkaufen sollte, egal wie sehr man selbst persönlich das Gefühl hat, Grossartiges in der Hinsicht zu leisten.

    Der Grund dafür ist: Viele Frauen, die aus der Babypause mit mehreren Kindern zurück in den Job kommen, haben einen ganz seltsamen Tonfall drauf, der vermutlich dem Kinder-Erziehen geschuldet ist. Der ist total deplaziert in einer IT-Firma mit lauter Männern und den schnellen Zeitabläufen der Branche.

    Vielen Frauen, die vorher schon berufstätig waren, merkt man aber die Vorfreude und Erleichterung an, von dem Babykram wegzukommen und das sind die Frauen, die man dann einstellt. Das sind einfach zwei unterschiedliche Typen von Mutter, und ich stelle nur den zweiten Typ ein.

Zu guter Letzt: Gesucht ist keine Maschine, sondern einfach ein qualifizierter Mensch, der zuverlässig ist und mit dem man auskommen kann. Gerade bei Geeks ist das mit der Sozialkompetenz so eine Sache – da sind Personalmenschen von IT-Firmen aber gewöhnt dran. Wenn es aber um z.B. Software-Entwicklung im Team geht, ist hochgradige Exzentrik und angewandtes Arschlochtum definitiv unerwünscht. Der Router-Gott im Keller darf aber natürlich weniger sozial sein. Auch ein Admin, der den Sekretärinnenrechner-Pool mit administrieren muss, sollte kein arroganter Sack sein. Die Priorisierung ist aber definitiv: Qualifikation und Erfahrung, Zuverlässigkeit, Zusammenarbeit, soziale Fähigkeiten. Aber um auch das offen zu sagen: Manche Geeks sind so anstrengend für diejenigen, die sie organisieren müssen, dass man im Zweifel den mit etwas weniger Erfahrung, dafür aber mehr Teamfähigkeit einstellt. Nicht alle Projekte erfordern die tollste Spitzenkraft und vieles kann man dazu lernen. Insbesondere ist es leichter, jemand Wissen erwerben zu lassen, als ein arrogantes Miststück zur sozialeren Zusammenarbeit zu bewegen. Ausserdem muten Projektmanager ihren bereits anwesenden Spitzenentwicklern keine Nervbolde zu, sondern entscheiden auch nach “passt ins Team”.

Daat Dokument hunn ech net selwer geschriwwen! Et ass kopéiert vun dësser Säit: http://sushee.schreibsturm.org/article/257/lebenslauf-und-vorstellungsgespraeche

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